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Reparatur von Glasbruchschäden – bei Hightech-Windschutzscheiben aufwändig

Lange vorbei sind die Zeiten, als die Windschutzscheibe nichts weiter war als eine banale Scheibe. Moderne Hightech-Frontscheiben bestehen aus aufwändig hergestelltem Verbundglas und haben es im wahrsten Sinne des Wortes in sich: Anmontierte Sensoren und Kameras scannen während der Fahrt die Umgebung, um Fahrassistenzsysteme wie Geschwindigkeitsautomat, Bremsassistent oder Einparkhilfe mit den notwendigen Informationen zu füttern.

Hightech bringt mehr Sicherheit, hat aber auch ihren Preis. Schon seit Längerem beobachtet die Versicherungswirtschaft, dass gerade Glasbruch bei Fahrzeugschäden immer teurer zu Buche schlägt. Ob sich dies längerfristig auch auf die Prämienhöhe auswirkt, wissen wir bis dato nicht.

Der Grund für die steigenden Kosten sind immer kompliziertere und damit immer teurere Reparaturen. Allein der Ersatz einer aufwändig hergestellten Verbundglasscheibe ist zeit- und kostenintensiv. Bei einer beschädigten Hightech-Windschutzscheibe aber kommt hinzu, dass in der Regel auch die technischen Systeme neu kalibriert werden müssen.

Derzeit sind es rund zwei Drittel der Autohersteller, die eine (Re-)Kalbrierung bei Reparatur oder Erneuerung vorschreiben. Bei der Wahl der Kfz-Werkstatt, die den Schaden beheben soll, gilt daher: Augen auf! Nicht alle Werkstätten verfügen über das erforderliche Know-how und Equipment für eine Kalibrierung.

Bleibt diese aus, kann es passieren, dass nach der Reparatur die Fahrassistenten nicht mehr funktionieren. Kameras beispielsweise reagieren schon bei minimalen Abweichungen mit deutlicher „Fehlsichtigkeit“. Die Unfallverhinderungsfunktion ist damit natürlich passé.

Was kostet eine Reparatur?

Die Ersatzteilpreisspanne bei Eins-zu-eins-Wiederherstellung liegt, grob geschätzt, zwischen 170 und 1.200 EUR – ohne die Kosten für den Einbau wohlgemerkt. Im Einzelfall die exakte Schadenhöhe einzuschätzen, kann nur ein Profi leisten.

Technik immer besser – und teurer

Frühwarnsysteme im Kfz fallen in den Bereich der so genannten Fahrzeugumfeldsensorik. Sinn und Zweck ist es, den Fahrer – bzw. das Fahrzeug – dabei zu unterstützen, auf Streckenhindernisse rechtzeitig und adäquat reagieren zu können, um Kollisionen zu vermeiden. Zum Einsatz kommen akustische (Ultraschall), elektromagnetische (Radar) und optische Systeme (Video, Infrarot und Lidar = Light Detection and Ranging).

An der Windschutzscheibe montierte Videokameras zeichnen auf, was vor dem fahrenden Auto vor sich geht. Die Sichtweite herkömmlicher Kameras beträgt rund 100 Meter, die hochwertiger Stereokameras sogar bis zu 300 Meter. Damit ist die Videotechnik dem menschlichen Auge weit überlegen.

Als Frühwarnhelfer bewährt haben sich außerdem Radar-, Infrarot-, Ultraschall- oder Lidarsensoren an der Frontscheibe. Sie erfassen nicht nur die Koordinaten und Abmessungen von Abweichungen auf der Strecke (Stau, Schlagloch, langsameres Fahrzeug usw.), sondern setzen die erfassten Daten auch in Relation zur gefahrenen Geschwindigkeit.

Bei einem Glasbruchschaden bietet das Lidarsystem, das Laserstrahlen zur Umfelderfassung nutzt, gewisse Vorteile. Eine mit Lidar ausgestattete Frontscheibe muss bei Schäden nicht kalibriert werden.

Doch nicht nur die fahrzeugumfeldsensorischen Techniken verbergen sich in modernen Hightech-Windschutzscheiben. Heizsysteme, welche die Infrarotstrahlung absorbieren, sorgen dafür, dass der Fahrer bei Sonnenschein nicht geblendet wird und die Temperatur im Fahrzeug nicht zu sehr ansteigt. Sie ersetzen heute weitgehend den noch vor wenigen Jahren üblichen, in der Regel als Sonderausstattung erhältlichen Grünkeil.

Besonders praktisch: Die Technik in der Scheibe ermöglicht es den Herstellern, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Head-up-Displays, die den Fahrer auf Augenhöhe über Geschwindigkeit, Drehzahl und Co. informieren, nutzen die Systeme als „Leinwand“.

Wer haftet bei Versäumnissen?

Passiert ein Unfall, der nachweislich auf eine versäumte Frontscheibenkalibrierung zurückzuführen ist – etwa, wenn deswegen der Bremsassistent versagt hat –, stellt sich die Frage, wer haftet: die Werkstatt oder der Fahrer? Grundsätzlich ist der Fahrer in der Haftung, denn er darf sich nicht allein auf die Assistenzsysteme verlassen. Jeder, der ein Fahrzeug lenkt, hat Sorge für dessen Fahrtauglichkeit und Sicherheit zu tragen.

Gleichzeitig ist die Kfz-Werkstatt in der Pflicht, eine mit dem Fahrzeugnutzer vereinbarte Reparatur ordnungsgemäß und fachgerecht auszuführen. Tut sie dies nicht, verletzt sie vertragliche Pflichten. Die Frage, wen nun bei einem Schaden, der auf ein solches Pflichtversäumnis zurückzuführen ist, die Haftung trifft, wird sicherlich noch die Juristen in Zukunft beschäftigen.